Schiffsdieselmotor
Ein Schiffsdieselmotor ist in der Regel ein
großer Dieselmotor der namentlich als Haupt- oder Hilfsmaschine auf
einem Schiff dient. Praktisch baugleiche Motoren werden darüberhinaus
stationär in Kraftwerken insbesondere in der dritten Welt bzw. auf
Inseln und an anderen abgelegenen Orten eingesetzt, sowie auch als
Notstromaggregate z. B. in Krankenhäusern, Großbanken, Rechenzentren und
Kernkraftwerken. Für kleine Schiffe bzw. Boote kommen auch entsprechend
kleine Dieselmotoren zum Einsatz, die in ihren Charakterisika heute
aber eher den Motoren von Landfahrzeugen wie LKW entsprechen.
Schiffsdiesel
können mit Dieselkraftstoff, Gasöl oder Schweröl betrieben werden. Die
Bezeichnung bezieht sich auf den Arbeitsprozess, der per Definition
durch die Ansaugung von Luft und die Selbstzündung nach der Einspritzung
des Kraftstoffes gekennzeichnet ist.
Anforderungen
- Schiffsdiesel sollen meistens Langsamläufer sein. Zum einen verringern sich bei niedrigen Drehzahlen die Schwingungen. Zum anderen können höhere Verbrennungstemperaturen und -dauern erreicht werden, wodurch der Wirkungsgrad erhöht werden kann. Langsamläufer können direkt auf den Propeller arbeiten, ein Getriebe zur Drehzahlreduktion ist nicht erforderlich.
- Die Anforderung an die Betriebssicherheit und die Zuverlässigkeit sind deutlich höher als bei stationär oder in Fahrzeugen genutzten Dieselmotoren. Sobald das Ruder eines Schiffes nicht mehr vom Propeller angeströmt wird, ist es praktisch wirkungslos. Bei schwerer See kann sich das Schiff quer in die See legen und gerät unter Umständen in Seenot. Mindestens fallen hohe Kosten für Bergung und verdorbene/ verspätete Ladung an, bis hin zum Totalverlust des Schiffes.
- Es wird ein hoher Wert auf eine lange Lebensdauer gelegt, um langfristig die Betriebskosten (engl. Total Cost of Ownership) zu minimieren. Darüber hinaus sind Reparaturen oder gar der Austausch der Maschine mit erheblichem Aufwand verbunden, wie der Demontage von Aufbauten, Öffnen von darüberliegenden Decks und/oder der Bordwand. Dies führt wiederum zu langen Dockzeiten während der das Schiff nicht zur Verfügung steht.
- Ein Seeschiff muss eine hohe Dauerleistung erbringen können, das heißt auch lange Strecken bei voller Fahrt überstehen können.
- Ein geringer Kraftstoffverbrauch ist wichtig, da die steigenden Rohölpreise auch die Preise für Schweröl deutlich steigen lassen. Heutige Schiffsdiesel erreichen spezifische Verbräuche von weniger als 180 g/kWh.
- Niedriger Preis.
- Ein hoher Automationsgrad ist heute Stand der Technik. Schiffsmotoren werden zunehmend im wachfreien Betrieb gefahren, so dass Alarme und andere Ereignisse elektronisch verarbeitet und dem wachhabenden Offizier bzw. Maschinisten in geeigneter Weise übermittelt werden müssen. Im Gefahrenfalle stellt die Maschine automatisch ab bzw. reduziert die Last. Allerdings können Alarme und Stopps auch ignoriert werden, wenn die Situation es erfordert („Schiff vor Maschine“). Außerdem sind Schiffsmotoren-Anlagen meist blackstart-fähig, wobei zumindest ein Dieselgenerator im Notfall auch komplett manuell gestartet werden kann, so dass dann auch wieder Hilfs-Energie zum Betrieb des Hauptmotors verfügbar ist.
- Zunehmend wird eine geringe
Abgasbelastung gefordert. Durch die von der Internationalen
Seeschifffahrts-Organisation (IMO, International Maritime Organisation,
eine Organisation der UNO) erlassenen neuen Richtlinien müssen in
Zukunft strengere Grenzwerte für die Emission bestimmter Schadstoffe
eingehalten werden (darunter insbesondere Stickoxide, die bei langsamer
hochtemperaturiger Verbrennung zunehmend entstehen.)
Bauweisen
Die
Motoren werden nach ihrem Arbeitsprinzip und nach der Anordnung ihrer
Zylinder unterschieden. Während Zweitakter immer als Reihenmaschine
gebaut werden (außer als Gegenkolbenmotor z. B. von Napier Deltic), gibt
es Viertaktmaschinen als Reihen- und als V-Motoren sowie in einigen
exotischen Anordnungen, wie z. B. Sternmotoren (6 Sterne mit je 7
Zylindern hintereinander) für Schnellboote. Bei großen
Schiffsantriebsdieseln handelt es sich in der Regel um Zweitakter, die
als Reihenmotoren mit 5-14 Zylindern gebaut werden. Große
Schiffsantriebsdiesel werden in der Regel als Langsamläufer konzipiert.
Die Drehzahl liegt bei Zweitaktmotoren, je nach Leistung, in einem
Bereich von 61 bis 250 min-1 und ermöglicht es, die Motoren direkt mit
Schweröl (HFO, von engl. heavy fuel oil) zu betreiben. Langsamläufer
arbeiten üblicherweise direkt auf die Propellerwelle. Die Drehrichtung
der Maschine lässt sich umsteuern. Bei Revierfahrten, das heißt, beim
Ein- und Auslaufen werden die Motoren aus Sicherheitsgründen mit Diesel
betrieben. Jedoch setzt sich der kontinuierliche Schwerölbetrieb von
Pier zu Pier immer weiter durch.
Viertaktmotoren können seit
geraumer Zeit ebenfalls mit Schweröl betrieben werden und erreichen
Drehzahlen zwischen 300-900 min-1, erfordern dann jedoch ein Getriebe im
Antriebsstrang, da der Schiffspropeller eine deutlich niedrigere
Drehzahl benötigt. Als Hauptmaschine in Großcontainerschiffen,
Erzfrachtern und Öltankern werden Reihenmotoren mit bis zu 14 Zylindern
eingesetzt, mit Bohrungen bis zu 1,08 m und Hüben bis zu 3,10 m, deren
Dauerleistung bisweilen bis zu 97.300 kW beträgt (MAN B&W
14K108ME-C). Hierbei handelt es sich ausschließlich um
Zweitakt-Kreuzkopfmotoren. Sie können so eine Lebensdauer von über 20
Jahren, d. h. ca. 150.000 Betriebsstunden erreichen.
Viele
Schiffsdieselmotoren sind mit Turboaufladung zur Erhöhung des
Wirkungsgrades und der spezifischen Leistung ausgerüstet.
Für
stationäre Anwendungen und auch für LNG-Tanker sind Gas-betriebene
Viertakter interessant.
Reihenmotor
Reihenmotor
ist die Bezeichnung für einen Motor, dessen Zylinder hintereinander in
Reihe angeordnet sind. Die Bezeichnung der Zylinder beginnt in
Deutschland an der Schwungrad-Seite des Motors.
V-Motor
Die
Zylinder oder auch Zylinderbänke sind bei dem V-Motor um Winkel
zwischen 15 ° und 120 °, üblicherweise aber (40 ... 90) ° zueinander
geneigt (je nach Zylinderzahl) und -wenn beide Pleuel direkt auf
denselben Hubzapfen arbeiten- etwas versetzt angeordnet. Bei V-Motoren
können die Pleuel der zusammengehörenden Zylinderpaare an derselben
Kurbelwellenkröpfung oder an um die Kurbelwellenmitte gegeneinander
gedrehten unterschiedlichen Kröpfungen angelenkt sein. Gelegentlich
greift nur eine Treibstange des Zylinderpaares direkt am Hubzapfen an,
die etwas kürzere Treibstange des zweiten Zylinders ist an der anderen
angelenkt (Anlenkpleuel). Zur Bezeichnung der Zylinder wird die von
Kupplungsseite gesehen linke Zylinderreihe als A-Seite, die andere
entsprechend als B-Seite bezeichnet.
Kraftübertragung
Es gibt vor
allem drei verschiedene Möglichkeiten der Kraftübertragung vom Motor zum
Propeller.
Direkt
Es wird eine starr mit dem Motor und Propeller verbundene Welle
angetrieben. Die Drehrichtung des Propellers, für z.B. eine
Rückwärtsfahrt, kann somit nur durch die Umsteuerung des Motors
verändert werden. Der Motor muss dann aus der Vorausfahrt gestoppt,
durch Verschieben der Nockenwelle umgesteuert und für die Rückwärtsfahrt
neu angelassen werden. Diese Bauweise wird in allen Fällen mit starrer
Verbindung Propeller-Motor angewendet
Eine weitere Möglichkeit
ist der sogenannte Verstellpropeller. Zur Veränderung der
Schiffsgeschwindigkeit sowie für die Voraus- bzw. Zurückrichtung werden
die einzelnen Propellerflügel in einen anderen Winkel (Steigung, engl.
pitch) gedreht (angestellt). Der Motor dreht dabei mit konstanter
Drehzahl. Diese Drehzahl kann höher sein als die für den Propeller
passende. Daher muss die Drehzahl in einem solchen Fall über ein
Getriebe reduziert werden. Für die Drehzahl der Schraube spielen neben
Durchmesser und Steigung, die Kavitation eine entscheidende Rolle. Unter
Kavitation versteht man das Zusammenbrechen (Implodieren) von
Gasbläschen, was zu Schäden an den Oberflächen der Propellerflügel
führen kann.
Getriebe
Anwendung
besonders bei schnell-und mittelschnell (250...2000 min-1) laufenden
Motoren, bei denen eine Reduktion der Motor-Drehzahl auf
Propeller-Drehzahl erforderlich ist. Die Getriebe besitzen teilweise
schaltbare Kupplungen und Nebenabtriebe für Wellengeneratoren.
Wendegetriebe dienen zur Drehrichtungsumkehr des Propellers bei nicht
umsteuerbaren Motoren. Außerdem gibt es Kombinationen von Getriebe und
Verstellpropeller. Oft werden diese Schiffsmotoren, wie auch
Verbrennermotoren von LKWs oder Nutzfahrzeugen mit
Laschengelenkkupplungen (SGF) an das Getriebe angeflanscht. So
verringert man die Vibrationen, die bei üblichen Metallverbindungen
entstehen. Der Antrieb wird sozusagen "entkoppelt".
Dieselelektrisch
Dabei wird vom
Motor, meistens 4-Takt Motoren, lediglich ein Generator angetrieben,
der den Strom für den Fahrmotor bereitstellt, der wiederum den Propeller
antreibt. Diese Variante ist insbesondere als Mehrmotorenanlage auf
Fahrgastschiffen üblich. Die einzelnen Viertakt-Gen-Sets erzeugen dabei
Energie auch für den Hotel-Betrieb, der einen erheblichen Anteil am
Gesamtenergiebedarf ausmacht. Einzelne Motoren können abgestellt und
zugeschaltet werden, Wartung und Reparatur einer Maschine bei laufendem
Schiffsbetrieb auf See ist möglich. Motor- und Propellerdrehrichtung und
-drehzahl sind voneinander unabhängig. Beispiel Queen Elizabeth 2
(Cunard Line): in den 80er Jahren von Dampfturbinenantrieb umgebaut auf
Dieselbetrieb. 9 Maschinen MAN 9L58/64 (9-Zylinder-Reihe [Line] 580 mm
Bohrung, 640mm Hub) mit ca 1.200 kW pro Zylinder arbeiten über
Generatoren auf zwei 44 MW GEC-Fahrmotoren, zwei Propeller. Neben den
weitverbreiteten Verstellpropelleranlagen ist eine besondere Form dieses
Antriebes der neu entwickelte Pod-Antrieb.
Klarmachen- und Absetzen
Beim
Stillstand der Maschine wird diese meist weiterhin durch das
Hochtemperatur(HT)-Kühlwassersystem und eine Vorheizpumpe konstant auf
unterer Betriebstemperatur gehalten.
Vor dem Starten müssen die
Schweröl-Temperaturen in den Tagestanks überprüft werden. Während des
Stillstands der Hauptmaschine wird das Thermalöl, welches durch
Zirkulation in Rohren in den Tanks das Schweröl auf Temperatur hält,
durch einen mit Dieselöl betriebenen Boiler erwärmt und nicht wie
während des Betriebs durch die Abgastemperatur im Schornstein (exhaust
gas boiler).
Schiffsdiesel werden mittels Druckluft gestartet.
Kein Elektromotor könnte die erforderliche Kraft bei vertretbarem
Größenverhältnis aufbringen. Die Druckluftflaschen und das
Startluftsystem werden entwässert, die Drücke kontrolliert.
Ebenso
wie die Vorheizpumpe arbeitet auch das Kraftstoffsystem durchgehend, um
die Temperatur des Schweröls auch in den zu- und abführenden Leitungen
(Ringleitung) zur Maschine aufrechtzuerhalten. Ein Abkühlen des
Schweröls in diesen Bereichen würde zu Verklumpungen führen. Die
Rohrleitungen müssten aufwendig gereinigt werden. Unter Umständen wird
es notwendig, die Maschine eine gewisse Zeit mit Gasöl zu betreiben.
Kleinere
Motoren können mit einer an den Motor gekuppelten ( angehängten )
Schmierölpumpe ausgerüstet sein, die während des Betriebes mitläuft und
so die Lager der Hauptmaschine mit Schmier- Öl
versorgt. Bei stehendem HPTM muss der Öldruck so über eine externe
elektrisch betriebene Pumpe aufrechterhalten werden, auch um eine
entsprechende Nachschmierung der Maschine nach dem Absetzen zu
gewährleisten.Auch können Kühlwasserpumpen * angehängt* sein .Vor dem
Starten ist das System einer Sichtkontrolle zu unterziehen und der
anliegende Schmieröldruck zu überprüfen.
Um im Notfall, bzw. bei
einem Ausfall der Fernbedienung von der Brücke, die Maschine aus dem
Maschinenkontrollraum fahren zu können, müssen alle
Kommunikationseinrichtungen wie Maschinentelegraf und Telefon
(Verbindung Brücke zu MKR und Brücke zum Rudermaschinenraum)
funktionsfähig sein. Die Maschine verfügt über einen Notfahrstand direkt
am Motor. Sollte bei einem Schiff mit Verstellpropeller die
Flügelverstelleinrichtung des Propellers versagen, könnte diese manuell
in 100%-Stellung gefahren werden und die Fahrt des Schiffes über die
Drehzahl der Maschine reguliert werden.
Aus dem MKR wird, falls
noch nicht in Betrieb, ein zweiter Hilfsdiesel in Reserve gestartet, um
nach dem automatischen Einschalten der zahlreichen Pumpen (große
Verbraucher) ein Abwerfen des ersten und dann einzigen Hilfsdiesels zu
vermeiden (Stromausfall).
Über die Schalttafeln im
Maschinenkontrollraum werden entsprechend notwendige Pumpen gestartet
bzw. auf Automatik umgestellt. Dazu gehören im Groben:
- HT-Kühlwasserpumpe
- LT-Kühlwasserpumpe (Seewasser kühlt LT, LT kühlt HT, HT kühlt Maschine. Mehrere Kühlkreisläufe schützen den Motor durch geringere -Temperaturunterschiede vor Spannungsrissen)
- Getriebeölpumpe
- Schmierölpumpe
- Bei Schiffen mit Verstellpropeller: Steuerölpumpe
Es folgt das Scharfmachen der im
Hafenbetrieb unterdrückten Alarme wie Öldruck und Temperatur, HT und LT
Kühlwassertemperatur. Am Notfahrtstand der Maschine wird das
Absperrventil für Startluft manuell geöffnet und das Füllungsgestänge
(Kraftstoffmenge) für den Automatikbetrieb freigegeben. Die Steuerung
wird dann vom Notfahrstand zum Kontrollraum geschaltet. Nach Kontrolle
der „Indikatorventile“ (Dekompressionsventile), wird der Motor mit
Anlassluft durchgeblasen. Dabei wird evtl. im Kolbenraum vorhandenes
Wasser bzw. Öl oder Brennstoff aus den Ventilen ausgestoßen. Wird eine
Maschine mit Wasser im Kolbenraum gestartet, kann das zu schweren
Schäden am Motor führen. Die Indikatorventile werden danach geschlossen.
Kontrolle
der Hauptmaschine auf Kühlwasserleckagen und schließen der
Indikatorventile. An den Indikatorventilen sind Schraubanschlüsse
angebracht, um ein federbelastetes Indikationsgerät anzubringen, mit
dessen Hilfe nach Öffnen des Ventils während des Betriebes Aufschlüsse
über den Verbrennungsablauf des betreffenden Zylinders erlangt werden
können.
Startvorgang
Aus dem MKR
wird der automatisierte Startvorgang der Hauptmaschine
eingeleitet. Um einen Großdiesel anzulassen, müssen zunächst die
kraftverbrauchenden Arbeitsschritte innerhalb des Motors überwunden
werden (Ansaugen, Verdichten, Ausstoßen). Für große Schiffsmaschinen
kann diese Arbeit kein Elektro- beziehungsweise Luftmotor zum Anlassen
mehr schaffen.
Schiffsdieselmotoren werden daher ausnahmslos mit
Druckluft gestartet. Bei kleineren Einheiten (unter 10.000 KW) kommen
dazu noch gelegentlich Druckluftanlasser zum Einsatz, die am Schwungrad
eingreifen und auf diese Weise die Maschine durchdrehen. Große
Viertaktmotoren und praktisch alle Zweitaktmotoren werden direkt
angelassen. Dabei wird jeder Zylinder entsprechend seiner Position und
der Zündreihenfolge mit Anlassluft beaufschlagt. Die entsprechenden
Kolben werden nacheinander heruntergedrückt und die Motordrehzahl auf
Zünddrehzahl angehoben. Der Regler zieht die Einspritzpumpen auf
„Füllung“, Kraftstoff wird eingespritzt und es kommt zur ersten
Selbstzündung. Hierzu ist eine starkes Anlass-Druckluftsystem
(üblicherweise 30 bar Nenndruck) notwendig.
Um in großen, langsam
laufenden Zweitaktdieselmotoren die Verbrennungsgase auszuschieben und
Frischluft zuzuführen werden im niedrigen Lastbereich elektrisch
betriebene Spülluftgebläse eingesetzt.In höheren Lastbereichen
übernehmen abgasbetriebene Turbolader die Aufgabe.
Um die
Betriebssicherheit zu gewährleisten, können Schiffsdiesel, insbesondere
die Hilfsmaschine zur Stromerzeugung, auch nach Ausfall der gesamten
elektrischen Energieversorgung an Bord (Blackout) durch manuell zu
betätigende Startventile und ohne Nebenaggregate gestartet werden,
solange ausreichend Druckluft in der Anlass-Luftflasche und Kraftstoff
in den Tagestanks zur Verfügung steht.
Sämtliche von der Brücke
kommenden Fahrbefehle werden vom Maschinenkontrollraum ausgeführt. Dazu
gehören vor allem das Umsteuern der Maschine bei Manövern (um ein Schiff
achteraus fahren zu lassen, muss die Hauptmaschine gestoppt und in
anderer Richtung komplett neu angelassen werden).
Bei einem
Schiff mit Verstellpropeller wird die Maschine langsam auf Nenndrehzahl
hochgefahren. In diesem Zustand wird die Maschine einige Minuten im
Leerlauf belassen, um Temperaturen und Drücke zu stabilisieren. Nach dem
Erhöhen auf Konstantdrehzahl wird die Kontrolle der Maschine an die
Brücke übergeben (Remote Control) und von dort per Knopfdruck akzeptiert
und angenommen. Die Stromversorgung übernimmt auf See, nach erfolgter
Synchronisation, der Wellengenerator. Die Hafendiesel werden abgesetzt.
Schiffe
ohne Verstellpropeller werden nur sehr langsam beschleunigt. Der Grund
ist der Anstellwinkel des Propellers, der auf die Maximalgeschwindigkeit
ausgelegt ist. Der Beschleunigungsvorgang ist daher vergleichbar mit
dem Anfahren eines Autos im höchsten Gang: Eine zu schnelle
Beschleunigung bei hoher Übersetzung würde den Motor abwürgen.
Absetzen
Die Hilfsdiesel
werden nach dem Ende der Seereise gestartet und nach Synchronisation mit
dem Wellengenerator zugeschaltet um die Stromversorgung zu übernehmen.
Nach dem Ende der Revierfahrt, bzw. des Festmachen des Schiffes übergibt
die Brücke die Kontrolle der Maschine zurück in den MKR, welches von
hier wiederum quittiert werden muss. Bei Schiffen mit Verstellpropeller
wird die Maschine danach von der Konstantdrehzahl auf die
Leerlaufdrehzahl zurückgefahren. Die Maschine läuft in diesem Zustand
einige Minuten nach um sich langsam abzukühlen und Spannungsrisse zu
vermeiden. Die Maschinenkontrolle wird auf den Notstand weitergestellt.
Von dort wird das Füllungsgestänge auf Stop gestellt, das Ventil für die
Startluftzufuhr geschlossen und die Dekompressionsventile geöffnet.
Nach einigen Minuten Nachschmierung wird die elektrische Vorschmierpumpe
abgestellt. Die Kühlwasserkreisläufe werden auf Hafenbetrieb gestellt
und die elektrische Vorheizpumpe in Betrieb genommen. Die für den
Hafenbetrieb nicht benötigten Alarme wie Öldruck, HT und LT
Kühlwassertemperatur werden unterdrückt.
Betrieb
Für den Betrieb und das
Anlassen eines Schiffsdiesels sind eine Reihe von speziellen
zusätzlichen Systemen notwendig. Fällt eines dieser Systeme aus, muss
auch der Betrieb der Hauptmaschine gestoppt werden. Daher sind etliche
Hilfsaggregate doppelt vorhanden: Schmierölpumpen,
Kraftstoff-Booster-Pumpen, Kühlwasserpumpen, Schmieröl-Separatoren,
Kompressoren, Kraftstoff- und Schmierölfilter.
Schmierölsystem
Um die
reibenden Oberflächen innerhalb der Maschine nicht zu starkem Verschleiß
zu überlassen müssen diese Teile, wie auch bei anderen
Verbrennungsmotoren, gut geschmiert werden.
Das Schmieröl
übernimmt im wesentlichen 4 Aufgaben:
- schmieren, durch die Bildung eines Schmierfilms werden bewegende Teile geschützt
- reinigen, Verunreinigungen werden von den Reibungsstellen wegtransportiert und landen in Filtern
- kühlen, das Öl führt Wärme ab und wird in Wärmetauschern rückgekühlt.
- abdichten, das
dickflüssige Öl dient auch der Abdichtung zwischen Zylinderwand und
Kolbenring
Nachdem das
Öl aus der Ölwanne bzw. dem Umlauftank herausgepumpt und durch einen
Filter gereinigt wurde, durchläuft es einen Ölkühler. Hiernach zweigen
die verschiedenen Schmierölleitungen ab zur Kurbelwelle, Pleuellager und
in die Ölwanne. Ein weiterer kleiner Teil wird verwendet für die
Schmierung von Nockenwelle, Kipphebeln und Ventilen. Das Öl läuft wieder
in die Ölwanne bzw. den Umlauftank.
Im Falle einer zu geringen
Ölmenge im Umlauftank kann es kann es bei starker Schlagseite dazu
kommen, dass der Saugstutzen der Schmierölpumpe den Ölspiegel nicht mehr
erreicht, so dass die Schmierung unterbrochen wird.
Kraftstoffaufbereitung
Auf
Seeschiffen wird für den Betrieb des Hauptmotors i. d. R. minderwertiges
Schweröl ((engl. Heavy Fuel Oil (HFO)), welches bei der
Erdölverarbeitung als Rückstandsöl (engl. Residual Fuel) anfällt, als
Kraftstoff genutzt. In den großen Vorratstanks wird der Kraftstoff auf
mindestens 40°C aufgeheizt, damit er pumpfähig bleibt, um in die
Motorenraumtanks befördert zu werden. In so genannten Setztanks, die auf
ca. 70 °C beheizt sind, setzt sich bereits ein Teil Wasser und Schlamm
vom Kraftstoff ab. Wasser und Schlamm werden regelmäßig in Schlammtanks
abgeleitet. Der Kraftstoff wird danach durch Separieren und Filtern
weiter aufbereitet.
Mineralöl-Separatoren sind Zentrifugen, bei
denen eine Zahnradpumpe das Öl mit hohem Druck durch einen mit hoher
Drehzahl (12000 U/min) rotierenden Edelstahl-Tellerstapel drückt. Die
konisch geformten Teller sind mit Steigekanälen ausgerüstet, durch die
das reine und damit leichtere Öl steigt, während infolge der
Zentrifugalkraft schwere Bestandteile wie Wasser und Schmutz nach außen
abgeleitet werden und in der Trommel gesammelt werden. Man unterscheidet
zwischen Klarifikatoren, die nur Schmutz separieren, und Purifikatoren,
die im wesentlichen Wasser und Schlamm separieren. Ein wesentliches
Erkennungsmerkmal dieser beiden Bauarten ist der geschlossene
Abschlussteller im Steigkanal im Falle des Klarifikators bzw. die
einstellbare sog. Wasserscheibe im Falle des Purifikators.
Vor
die Separatoren sind gesonderte Kraftstoff-Wärmetauscher geschaltet. Als
Separiertemperaturen müssen je nach Kraftstoff-Dichte zwischen 70 und
99 °C eingehalten werden. Im Falle von Schwerölen mit hohen
Verschmutzungsanteilen werden die Separatorentypen auch in Serie
geschaltet. Die Entleerung der Schlammtrommel erfolgt dadurch, dass der
Kolbenschieber mit Wasserdruck beaufschlagt wird, wodurch die
Entleerungsöffnungen in der Trommel freigegeben werden, so dass die
schweren Verunreinigungen herausgeschleudert und im sog. Schlammtank
gesammelt werden können. Die regelmäßige Entleerung der Separatoren kann
automatisch zeitgesteuert oder auch manuell erfolgen. Bei den
Schwerölseparatoren handelt es sich um sensible und für den sicheren
Motorbetrieb wichtige Komponenten, die regelmäßig auf ihre Funktion
überprüft werden müssen.
Bei den Kraftstoff-Filtern handelt es
sich meist um sog. Rückspülfilter. Dabei wird bei einem bestimmten
Verschmutzungsgrad der Sieboberflächen - wodurch ein Differenzdruck
gemessen wird - durch Umleitung des Kraftstoff-Stromes frisches Öl von
rückwärts durch die Sieboberflächen gedrückt und so der Schmutz in einen
Schmutztank gespült. Der separierte und gefilterte Kraftstoff wird in
sog. Tagestanks für die Motoren bereitgestellt. Die Tagestanks sind mit
einem Kraftstoff-Überlauf zu den Setztanks ausgerüstet, so dass bei
ständigem Betrieb der Separatoren eine kontinuierliche Reinigung und
Aufheizung erfolgen kann.
In gesonderten Modulen wird der
HFO-Kraftstoff auf Einspritzviskosität (ca. 12 cSt bei ca. 130° C)
Viskositäts-geregelt vorgewärmt, der Druck wird auf rund 7 - 10 bar
angehoben. Vor Eintritt in die Kraftstoffeinspritzpumpen des Motors wird
der Kraftstoff über einen Endfeinfilter geleitet. Da insbesondere im
Teillastbereich ein Teil des Kraftstoffes im System zirkuliert und dabei
durch das beständige Pumpen zusätzlich erwärmt wird, ist für
Diesel/Gasöl/MDO-Betrieb auch ein Kraftstoffkühler vorgesehen, da bei zu
hoher Kraftstoff-Temperatur die Schmierung der Pumpenstempel der
Einspritzpumpen nicht mehr garantiert ist.
Kühlkreislauf
Die Wärme, die
bei der Verbrennung in der Maschine entsteht, muss nach außen abgeführt
werden. Das Kühlwasser sollte eine Temperatur von 80 bis 90° C haben,
damit Spannungsrisse, die durch zu große Temperaturunterschiede
entstehen können, vermieden werden. Schiffsmaschinen haben zwei
Kühlwasserkreisläufe. Zum ersten einen Kreislauf der Frischwasser führt,
welches im unteren Bereich der Maschine eintritt, bis zu den
Zylinderköpfen gepumpt wird und dort aus der Maschine austritt. Dieses
Frischwasser wird über einen Seewasserkühlkreislauf gekühlt. So wird
verhindert, dass Seewasser, welches die Korrosion im Motor stärker
ermöglicht, direkt mit der Maschine in Verbindung tritt